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Probezeit

Ein Arbeitsverhältnis beginnt in der Regel mit einer mehrmonatigen Probezeit, in der der Arbeitgeber nachprüfen kann, ob der neu eingestellte Arbeitnehmer für die ihm übertragenen Tätigkeiten geeignet ist. Auch der Arbeitnehmer kann sich in einem solchen Fall vergewissern, ob sein neues Betätigungsfeld seinen Vorstellungen entspricht. Die Probezeit zeichnet sich durch eine erleichterte Kündi­gungsmöglichkeit aus. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Probezeit nur im Rahmen eines Be­rufsausbildungsverhältnisses.

In der Berufsausbildung beträgt die Probezeit mindestens einen Monat und längstens vier Mo­nate, vgl. § 20 BBiG. Bei Unterbrechungen - z. B. durch krankheitsbedingte Abwesenheit des Auszubildenden - verlängert sich die Probezeit nicht automatisch um die Fehlzeiten. Etwas anderes gilt nur dann, wenn die Vertragschließenden eine entsprechende Verlängerungsabrede getroffen haben. Diese kann allerdings auch noch nach Abschluss des Berufsausbildungs­vertrages vereinbart werden.

Im Arbeitsverhältnis beruht eine Probezeitregelung im Normalfall auf einer kollektiv- oder ein­zelvertraglichen Vereinbarung. Tarifvertraglich sind zumeist Probezeiten zwischen einem und drei Monaten vorgesehen. Bei individualvertraglichen Vereinbarungen werden für den Regelfall sechs Monate als Höchstgrenze einer Probezeit angesehen. Eine Probezeit kann aber aus­nahmsweise - z. B. bei besonders anspruchsvollen wissenschaftlichen oder künstlerischen Tä­tigkeiten - auch neun oder - maximal 12 - Monate betragen.

Längstens für die Dauer von sechs Monaten kann das Arbeitsverhältnis nach der gesetzlichen Konzeption in § 622 Abs. 3 BGB während der Probezeit unter Einhaltung einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden. Hiervon kann allerdings in Tarifverträgen abgewichen werden, was sich aus der Regelung in § 622 Abs. 4 BGB ergibt.

Eine außerordentliche, also fristlose Kündigung, ist unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch während einer vereinbarten Probezeit möglich, da eine fristlose Kündigung weder durch Bestimmungen in einem Individualarbeitsvertrag noch durch tarifvertragliche Regelungen aus­geschlossen oder auf be­stimmte Anwendungsfälle o. ä. beschränkt werden darf.

Rechtsanwalt Armin Rudolf
Fachanwalt für Arbeitsrecht